Sonntag, 28. Juni 2020

First light für 12" Reise Dobson (Hofheim)

Es war 2015, als ich in Namibia erstmals einen 12" Reisedobson der Fa. Hofheim bestaunen durfte. Faszinierend fand ich die Portabilität dieses Gerätes, findet er doch in zwei Koffern Platz. Der Astrokollege erlaubte mir auch den einen oder anderen Blick auf diverse Perlen des Südsternhimmels. Von da an war der Wunsch in mir geboren, irgendwann mal einen 12-Zöller von Hofheim meinen Teleskopen hinzuzufügen.

Die Daten des Teleskops:

  • Gesamtgewicht 12kg
  • 30cm Spiegel
  • f5 und damit 1500mm Brennweite
First contact - Hakos/Namibia im August 2015




Letzte Woche, am 26.6.2020, war es nun soweit und ich konnte den im 3. Quartal 2019 bei Hofheim georderten 12"-Dobson übernehmen. Die Lieferung aus Deutschland dauerte eine knappe Woche.

12 kg für 12 Zoll - endlich wurde er geliefert
Maximale Mobilität eines 12"-Dobsons - zwei Handgepäck-taugliche Koffer




Schnell die mitgelieferte Beschreibung lesen und im Wohnzimmer den ersten Testaufbau gemacht. Das Gerät ist durchdacht und mit viel Liebe zum Detail konstruiert - der Aufbau gestaltet sich sehr übersichtlich.

Teilebox mit Spiderring, Basisdreieck,
Höhenrädern und Stabilisierungsstreben



Ich teste auch, wie sich der Dobson in Horizontnähe verhält und bin überrascht, dass er in jeder Lage auch mit großen 2" Okularen die Lage hält. Auch ein Okularwechsel bringt ihn nicht aus dem Gleichgewicht. Das ist sehr vielversprechend.

Blick auf den Spiegel




Auch der Abbau gestaltet sich, die vorgeschriebene Reihenfolge einhaltend, als unkompliziert und der Dobson ist nach ca. 30 Minuten wieder in den beiden Koffern verstaut. Jetzt heisst es warten auf das "First light" - ich befürchte das schlimmste, lautet doch die Faustregel, dass pro Zoll Öffnung man mit ca. 1 Woche Schlechtwetter rechnen muss. Drei Monate möchte ich auf keinen Fall warten müssen. ;)

Die Befürchtungen waren völlig unbegründet - ich entschließe mich bereits einen Tag später zu einem First light. Die Wetterprognosen schauen recht brauchbar aus - im Wechselgebiet sind sich die Prognosen nicht ganz einig, was auf unbeständiges Wetter hindeutet. Etwas nördlicher sieht die Sache schon besser aus. Zum selben Zeitpunkt lese ich ein Posting der Wr. Amateur Astronomen, dass sie  zu einem kleinen Teleskoptreffen auf der Sophienalpe aufrufen. Ich entschließe mich zu der einstündigen Anfahrt von Ebreichsdorf auf die Sophienalpe.

Dort angekommen bauen wir den 12-Zöller nun erstmals unter freiem Himmel auf. Einziges Problem dort, wir kämpfen mit 40cm hohem Gras und lästigen Mücken. Aber davon lassen wir uns nicht abschrecken. Es beginnt zu dämmern und wir beginnen mit dem praktischen Teil dieses First lights.

Aufbau im 40cm hohen Gras - die Mücken sind fürs Foto zu klein

Aufbau geschafft - Gras platt...

Ich bewege den Dobson Richtung Halbmond und stelle schnell fest, dass mein Leuchtpunktsucher noch justiert werden muss und auch der Fokuspunkt des Überblickokulars will gefunden werden. Nach weiteren 5 Minuten sehe ich den Mond im Okular und bin völlig hin und weg. Die Detailtiefe ist überwältigend. Der Gebirgszug des Appenin ist fast plastisch - ich sehe Rillen und Minikrater, in einer Tiefe, die ich so erst selten gesehen hab. Die mitreisende Balkonautin ist ebenfalls von dem Angblick begeistert.

First light am Mond
12" Hofheim auf der Sophienalpe

Wir nehmen folgende weitere Objekte an diesem Beobachtungsabend ins Visier:

- Doppelstern Albireo
- Ringnebel M57 (mit OIII-Filter ein Genuss)
- Kugelsternhaufen M4, M13 (wunderschön aufgelöst)
- Offener Sternhaufen IC4665
- Jupiter, Saturn (beide spektakulär wie immer)
- immer wieder den Mond um den Terminator wandern zu sehen
- Mizar/Alcor
- einige weitere Doppelsternsysteme, die ich leider nicht protokolliert habe

Die kurzen Nächte rund um die Sonnwende sind leider "wirklich" kurz - es beginnt bereits zu dämmern, als wir den Abbau in Angriff nehmen. Nur im Rotlicht der Stirnlampe doch nicht so einfach - wir schaffen es, den Dobson ordnungsgemäß (bis auf eine Fixierschraube, die sich standhaft weigert eingeschraubt zu werden) zu verstauen und treten gegen 2:00 die Heimreise an. Wir sind hoch zufrieden mit dem Firstlight und schon voll Vorfreude auf die vielen Beobachtungsnächte, die noch kommen werden.

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Keine Beobachungsnacht, ohne Protokollierung der Erkenntnisse:

- 40mm Plössl war nur mit Verlängerungshülse in den Fokus zu bringen
- 40mm 2" Erfle war aufgrund einer fehlenden Hülse für 2" nicht verwendbar
- Teilkreissucher wäre eine sinnvolle Ergänzung
- eine Holzplatte für den Boden, damit die Basis des Dobsons eben aufgestellt werden kann
- die Red-Dot-Justage war ein Geduldspiel
- Springload-Halterung für Red-Dot-Finder wäre eine sinnvolle Ergänzung
- der Beobachtungstisch muss anders organisiert werden, als für Astrofotografie
- ein eigener Zubehörkoffer wäre eine sinnvolle Ergänzung

Links:
Fa. Hofheim / 12" Reise-Dobson
Wr. Amateur Astronomen

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