Montag, 28. Dezember 2020

Sonnenbeobachtung - Part 2

 Im September 2019 hatte ich schon einmal einen Beitrag zur Sonnenbeobachtung geschrieben. Damals konnte ich einen 2" Herschelkeil der Firma Baader testen, der mir leider keine Möglichkeit zu einem fotografischen Test bot. Ich konnte jedoch recht gut den visuellen Umgang mit diesem Gerät beschreiben und auch die anderen Möglichkeiten der Sonnenbeobachtung im Weißlicht beschreiben.

Seit Kurzem habe ich nun einen 1.25" Herschelkeil mit verbautem Brewsterwinkel der Fa. Lacerta. Mit diesem ist nun auch die Fotografie der Sonnenoberfläche möglich. Am 26. und 27.12. dieses Jahres war es dann so weit - die Sonne zeigte sich nach wochenlangem Hochnebel endlich wieder am Himmel. In den diversen astronomischen Facebookgruppen konnte ich weiters lesen, dass ein paar Sonnenflecken zu sehen wären. Darum schnell das Teleskop am Balkon aktiviert - den Lacerta Herschelkeil an das Teleskop adaptieren und die Kamera bereitlegen. An diesen Sonnenflecken möchte ich meinen Test durchführen.

Setup zur visuellen Beobachtung

Sonnenflecken

Sonnenflecken sind Bereiche in der Photosphäre der Sonne, die eine niedrigere Temperatur aufweisen, als ihre Umgebung. Sie strahlen daher weniger sichtbares Licht ab uns sind als dunkle Flecken sichtbar. Ihre Ursache liegt in starken Magnetfeldern die in diesen Bereichen den Wärmetransport vom inneren an die Oberfläche behindern. Sonnenflecken können in unterschiedlichen Formen und Gruppierungen auftreten. Ein Klassifikationsschema wird nachfolgend gezeigt.

Klassifikation von Sonnenflecken

Der Blick auf https://www.spaceweatherlive.com/de/sonnenaktivitat.html zeigt, dass aktuell zwei Sonnenflecken bzw. -gruppen auf der Oberfläche sichtbar sind.

Sonnenflecken 2794, 2795 am 26.12.2020 [Spaceweather live]


Die Webseite zeigt neben der Sonnendarstellung auch die Klassifikation der Flecken. Diese wird für 2794 als "HSX" und für 2795 als "DSO" angegeben. Die Klassifikation erfolgt dabei nach M. Waldmeier (Zürich).

Klassifikation nach Waldmeier [Spaceweather live]


Beobachtungsbericht 26.12.2020

"heiter bis wolkig"

Der Blick in den Himmel zeigt ihn "heiter bis wolkig", wobei die Wolken sehr rasch über den Himmel ziehen und somit immer wieder mal Sonnenlicht zum Teleskop durchlässt. Es ist der Tag unseres First-Light für den Brewsterwinkel. Die Flecken sind tatsächlich sofort erkennbar - auch die Penumbra an den beiden größeren Flecken hebt sich schön vom dunklen Fleck ab. Der kleine Fleck von 2795 ist mit allen gewählten Vergrößerungen gut sichtbar. Bei 8mm zeigt sich, dass der mittlere Fleck aus mehreren kleineren Flecken besteht. Leider ist nach 5 Minuten keine Beobachtung mehr möglich - die Wolken sind nun zu dicht. Aus dem Kopf heraus versuche ich eine Skizze im Beobachtungsbuch zu erstellen.

Auszug Beobachtungsbuch 26.12.

Beobachtungsbericht 27.12.2020

Einen Tag später präsentiert sich der Himmel geradezu wolkenfrei - zumindest für den Moment, nähert sich doch von Süden her eine Schlechtwetterfront, die uns für den Rest des Jahres wohl den freien Blick zum Himmel verdecken wird. Somit muss der das Wetter jedenfalls genutzt und auch die Sonnenfotografie getestet werden.

Wir beginnen wieder mit der visuellen Beobachtung. Die Flecken sind, im Vergleich zu gestern, näher zur Mitte gewandert. Das Wetter lässt auch Zeichnungen, direkt vom Okular übertragen, zu.

Verwendet wurden die Okulare TeleVue 40mm und 3-6mm Zoom, Skywatcher GL6 und GL9. Bis 5mm waren die Abbildungen hervorragend, mit 4mm grenzwertig. Der Einsatz von 3mm brachte jedoch nichts mehr.

Auszug Beobachtungsbuch 27.12.2020

Wunderschön sind Umbra und Penumbra der Flecken zu sehen. Auch die Verästelung der Penumbra am großen Fleck (2794 - a) ist zu erahnen. Dies muss ich bei nächster Gelegenheit auch mit einer Brennweitenverlängerung ansehen. Im großen Fleck von 2795 (b) sind drei Flecken zu erkennen und (c) zeigt einige kleiner Flecken, die ich nicht näher klassifizieren konnte. Der Brewsterwinkel ist hinsichtlich Kontrast und Auflösung am Lacerta-Apochromat mit 72mm Öffnung wirklich ein Gewinn. Leider kann ich keinen Vergleich zum Baader-Herschelkeil ziehen, da im September 2019 keine Sonnenflecken zu sehen waren.

Schnell noch vier Videos zu je 6000 Frames mit unterschiedlichen Helligkeiten geschossen. Eines davon konnte ich bereits ausarbeiten - auch hier zeigen sich die Flecken bereits gut aufgelöst, wenngleich natürlich wie immer noch genügend Platz nach oben ist. Auch die Sonnenfotografie will geübt werden.

Aufnahme mit ASI120MM-C am Lacerta 72/432
mit Herschelkeil/Brewsterwinkel und Polfilter

Fazit und Ausblick

Der Lacerta Herschelkeil mit verbautem Brewsterwinkel ist in jedem Fall zu empfehlen. Die eingesetzte 1.25"-Variante erlaubt auch die Fotografie am Apochromat und die stufenlose Abblendung mit dem Polfilter ist einfach möglich. Hier wäre vielleicht eine Erweiterung zu überlegen, dass dieser fix integriert wird und ähnlich einem ADC mit einem Schieberegler die Veränderung des Polarisationsgrades erlaubt.

Offen ist noch ein Test, das Licht der Sonnenoberfläche zusätzlich mit H-alpha zu filtern und gleichzeitig den Kontrast durch den Polfilter zu erhöhen. Auch der Einsatz eines Solar-Continuum-Filters wäre zur Kontrasterhöhung zu überlegen.

Jedenfalls ermöglicht der Herschelkeil auch tagsüber die Nutzung des Equipments und so eine Erweiterung der Möglichkeiten, sich astronomisch zu beschäftigen.

Produktlinks des eingesetzten optischen Equipments

Links



Kommentare:

  1. Sehr gut und ausführlich berichtet. Danke für Deine Mühe. Weiter so.

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  2. Du bist ein begabter Zeichner!!!
    Die Zeichnung vom 27.12. ist sehr fein detailliert!
    LG Gerald

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