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Montag, 28. Dezember 2020

Sonnenbeobachtung - Part 2

 Im September 2019 hatte ich schon einmal einen Beitrag zur Sonnenbeobachtung geschrieben. Damals konnte ich einen 2" Herschelkeil der Firma Baader testen, der mir leider keine Möglichkeit zu einem fotografischen Test bot. Ich konnte jedoch recht gut den visuellen Umgang mit diesem Gerät beschreiben und auch die anderen Möglichkeiten der Sonnenbeobachtung im Weißlicht beschreiben.

Seit Kurzem habe ich nun einen 1.25" Herschelkeil mit verbautem Brewsterwinkel der Fa. Lacerta. Mit diesem ist nun auch die Fotografie der Sonnenoberfläche möglich. Am 26. und 27.12. dieses Jahres war es dann so weit - die Sonne zeigte sich nach wochenlangem Hochnebel endlich wieder am Himmel. In den diversen astronomischen Facebookgruppen konnte ich weiters lesen, dass ein paar Sonnenflecken zu sehen wären. Darum schnell das Teleskop am Balkon aktiviert - den Lacerta Herschelkeil an das Teleskop adaptieren und die Kamera bereitlegen. An diesen Sonnenflecken möchte ich meinen Test durchführen.

Setup zur visuellen Beobachtung

Sonnenflecken

Sonnenflecken sind Bereiche in der Photosphäre der Sonne, die eine niedrigere Temperatur aufweisen, als ihre Umgebung. Sie strahlen daher weniger sichtbares Licht ab uns sind als dunkle Flecken sichtbar. Ihre Ursache liegt in starken Magnetfeldern die in diesen Bereichen den Wärmetransport vom inneren an die Oberfläche behindern. Sonnenflecken können in unterschiedlichen Formen und Gruppierungen auftreten. Ein Klassifikationsschema wird nachfolgend gezeigt.

Klassifikation von Sonnenflecken

Der Blick auf https://www.spaceweatherlive.com/de/sonnenaktivitat.html zeigt, dass aktuell zwei Sonnenflecken bzw. -gruppen auf der Oberfläche sichtbar sind.

Sonnenflecken 2794, 2795 am 26.12.2020 [Spaceweather live]


Die Webseite zeigt neben der Sonnendarstellung auch die Klassifikation der Flecken. Diese wird für 2794 als "HSX" und für 2795 als "DSO" angegeben. Die Klassifikation erfolgt dabei nach M. Waldmeier (Zürich).

Klassifikation nach Waldmeier [Spaceweather live]


Beobachtungsbericht 26.12.2020

"heiter bis wolkig"

Der Blick in den Himmel zeigt ihn "heiter bis wolkig", wobei die Wolken sehr rasch über den Himmel ziehen und somit immer wieder mal Sonnenlicht zum Teleskop durchlässt. Es ist der Tag unseres First-Light für den Brewsterwinkel. Die Flecken sind tatsächlich sofort erkennbar - auch die Penumbra an den beiden größeren Flecken hebt sich schön vom dunklen Fleck ab. Der kleine Fleck von 2795 ist mit allen gewählten Vergrößerungen gut sichtbar. Bei 8mm zeigt sich, dass der mittlere Fleck aus mehreren kleineren Flecken besteht. Leider ist nach 5 Minuten keine Beobachtung mehr möglich - die Wolken sind nun zu dicht. Aus dem Kopf heraus versuche ich eine Skizze im Beobachtungsbuch zu erstellen.

Auszug Beobachtungsbuch 26.12.

Beobachtungsbericht 27.12.2020

Einen Tag später präsentiert sich der Himmel geradezu wolkenfrei - zumindest für den Moment, nähert sich doch von Süden her eine Schlechtwetterfront, die uns für den Rest des Jahres wohl den freien Blick zum Himmel verdecken wird. Somit muss der das Wetter jedenfalls genutzt und auch die Sonnenfotografie getestet werden.

Wir beginnen wieder mit der visuellen Beobachtung. Die Flecken sind, im Vergleich zu gestern, näher zur Mitte gewandert. Das Wetter lässt auch Zeichnungen, direkt vom Okular übertragen, zu.

Verwendet wurden die Okulare TeleVue 40mm und 3-6mm Zoom, Skywatcher GL6 und GL9. Bis 5mm waren die Abbildungen hervorragend, mit 4mm grenzwertig. Der Einsatz von 3mm brachte jedoch nichts mehr.

Auszug Beobachtungsbuch 27.12.2020

Wunderschön sind Umbra und Penumbra der Flecken zu sehen. Auch die Verästelung der Penumbra am großen Fleck (2794 - a) ist zu erahnen. Dies muss ich bei nächster Gelegenheit auch mit einer Brennweitenverlängerung ansehen. Im großen Fleck von 2795 (b) sind drei Flecken zu erkennen und (c) zeigt einige kleiner Flecken, die ich nicht näher klassifizieren konnte. Der Brewsterwinkel ist hinsichtlich Kontrast und Auflösung am Lacerta-Apochromat mit 72mm Öffnung wirklich ein Gewinn. Leider kann ich keinen Vergleich zum Baader-Herschelkeil ziehen, da im September 2019 keine Sonnenflecken zu sehen waren.

Schnell noch vier Videos zu je 6000 Frames mit unterschiedlichen Helligkeiten geschossen. Eines davon konnte ich bereits ausarbeiten - auch hier zeigen sich die Flecken bereits gut aufgelöst, wenngleich natürlich wie immer noch genügend Platz nach oben ist. Auch die Sonnenfotografie will geübt werden.

Aufnahme mit ASI120MM-C am Lacerta 72/432
mit Herschelkeil/Brewsterwinkel und Polfilter

Fazit und Ausblick

Der Lacerta Herschelkeil mit verbautem Brewsterwinkel ist in jedem Fall zu empfehlen. Die eingesetzte 1.25"-Variante erlaubt auch die Fotografie am Apochromat und die stufenlose Abblendung mit dem Polfilter ist einfach möglich. Hier wäre vielleicht eine Erweiterung zu überlegen, dass dieser fix integriert wird und ähnlich einem ADC mit einem Schieberegler die Veränderung des Polarisationsgrades erlaubt.

Offen ist noch ein Test, das Licht der Sonnenoberfläche zusätzlich mit H-alpha zu filtern und gleichzeitig den Kontrast durch den Polfilter zu erhöhen. Auch der Einsatz eines Solar-Continuum-Filters wäre zur Kontrasterhöhung zu überlegen.

Jedenfalls ermöglicht der Herschelkeil auch tagsüber die Nutzung des Equipments und so eine Erweiterung der Möglichkeiten, sich astronomisch zu beschäftigen.

Produktlinks des eingesetzten optischen Equipments

Links



Montag, 30. September 2019

Visuelle Sonnenbeobachtung im Weißlicht

Achtung!!! Man kann es nicht oft genug sagen: "Don't try this at home!", wenn du nicht über die entsprechende Ausrüstung verfügst. Ich übernehme keine Verantwortung für Schädigungen an Augen und Haut im speziellen und Personenschäden im allgemeinen!

Warnung, auch am Zusatzgerät

Sonnenbeobachtung

Sonnenbeobachtung ist Sterneschauen untertags. Es gibt einiges auf der Sonne zum entdecken - Sonnenflecken, Protuberanzen, Details auf der Sonnenoberfläche, Merkur- bzw. Venustransits und so manch ambitionierter Astrofotograf hat auch schon einen ISS-Transit in den Kasten bekommen. In diesem Artikel werden Hilfsmittel zur visuellen Sonnenbeobachtung im Weißlicht vorgestellt.

Spiegelteleskop

Für Spiegelteleskope (Newton, Schmidt-Cassegrain, Maksutov-Cassegrain, ...) muss die Sonnenstrahlung vor Eintritt in den Tubus minimiert werden. Hierzu dienen Sonnenfilter, die vor die Teleskopöffnung montiert werden und somit nur mehr einen minimalen (ca. 0.00001%) Anteil der Sonnenenergie in den Tubus durchlassen. Unterschieden wird dabei zwischen Folien- und Glasfilter, wobei letztere je nach Öffnung empfindlich teuer werden können. Die Beobachtung der Sonne ist hierbei nur im Weißlicht möglich und zeigt die Sonne mit ihren Sonnenflecken. Protuberanzen und weitere Details der Sonnenoberfläche sind mit dieser Methode nicht sichtbar.

Der Balkonaut hat mit dieser Methode den Merkurtransit 2016 aufgenommen, wobei ein Glasfilter am ETX-90 eingesetzt wurde.

Meade ETX-90 mit Glassonnenfilter und DIY Sonnensucher

Merkurtransit und Sonnenflecken aus dem Jahr 2016

Apochromaten

Neben der für Spiegelteleskop möglichen Reduktion auf Objektivseite können hier auch okularseitige Maßnahmen zur Reduktion der Sonnenenergie getroffen werden. Hierzu gibt es spezielle Prismen (Herschelkeil, Brewsterkeil), die einen Teil der Sonnenenergie vor dem Auge des Betrachters wegleiten. Durch Einsatz von Neutral-Density-Filtern wird die verbliebene Energie weiter reduziert, bis nur mehr ein unschädlicher Anteil übrig bleibt. Mit diesen Geräten ist, wie schon beim Folien- und Glasfilter, die Beobachtung im Weißlicht möglich - Sonnenflecken können näher betrachtet werden. Durch Einsatz weiterer Filter (H-alpha) können auch weitere Oberflächendetails sichtbar gemacht werden (Oberflächengranular) - dies wurde allerdings mangels vorhandenem Filter von mir noch nicht getestet.

Der Einsatz von Herschel- bzw. Brewsterkeilen an Spiegelteleskopen ist NICHT möglich, da das durch den Primärspiegel gebündelte Licht zu Schäden an der nachfolgenden Optik und im schlechtesten Fall auch noch zu irreversiblen Gesundheitsschäden führt.

Test eines Herschelkeils am Lacerta 72/432-Apochromat

Vor kurzem konnte ich mir von einem Astrokollegen einen Herschelkeil mit zugehörigen ND-Filtern leihen und diesen an einem sonnigen Nachmittag testen.

Lacerta 72/432 mit Herschelprixma und Baader Zoomokular


Aufbau und Einsatz des Baader Herschelkeils

Der Anschluss erfolgt durch eine 2"-Hülse direkt am Apochromaten. Das Licht wird über das Herschelprisma zu ca. 97% unten aus dem Keil rausgeführt - die verbliebenen 3% werden durch einen fix eingebauten ND-3.0-Filter auf 0.003% der ursprünglichen Energie reduziert. Der Einsatz eines Okulars ist bei dieser Energiemenge jedoch noch immer nicht möglich.
Sonne im Prisma - 0.003% des ursprünglichen Lichts dank ND-3.0-Filter

Der Einsatz eines weiteren ND-2.0 Filters reduziert die Energiemenge auf 0.00003% - der Vergleich mit dem vorigen Bild zeigt dies auf eindrucksvolle Weise.
weitere Reduktion auf 0.00003% des ursprünglichen Sonnenlichts
Okular mit angeschraubtem ND-2.0-Filter


Dieser Filter kann in das Okular eingeschraubt werden und erlaubt so die gefahrlose Betrachtung der Sonne durch das Okular. Die Sonne zeigt jedoch aktuell kaum Aktivitäten - sie befindet sich im Minimum ihrer Aktivität.
der Blick in die Sonne
Leider eignet sich das vorgestellte Prisma in Kombination unseres Apochromaten nicht zur Fotografie - der Fokuspoint konnte mit angeflanschter Kamera nicht erreichbar werden.

Glasfilter vs. Herschelprisma

Beide Techniken haben ihre Vor- und Nachteile. Der Glasfilter zeigt ein "oranges" Abbild der Sonne, wohingegen das Prisma mit den ND-Filtern die Sonne bläulich erscheinen lässt. Der Glasfilter zeigt somit ein subjektiv natürlicheres Abbild. Das Abbild der Sonne erschien mir im Prisma schärfer - das müsste ich mal fotografisch testen, wenn ich nur in den Fokus kommen würde. Hier punktet wieder der Glasfilter.

Offen blieb für mich das Alleinstellungsmerkmal "H-alpha" mit dem Herschelprisma. Das werde ich bei Gelegenheit mal testen, sofern ich an einen solchen Filter rankomme.


Sonntag, 16. Oktober 2016

Test eines alten Kaufhausteleskops (Meade 4500)

Zur Abwechslung konnte ich ein in die Jahre gekommenes Meade 4500 testen. Dieses Teleskop wurde als Mond- und Planetenteleskop verkauft. Es hat eine Öffnung von 114 mm und eine Brennweite von 910mm. Mit diesen Werten ergibt sich somit ein Öffnungsverhältnis von f/8 was eigentlich auch Deep Sky zulassen sollte. Zum Vergleich - unser C8 hat ein Öffnungsverhältnis von f/10, das ETX sogar f/13.8 - beide sind somit lichtschwächer, als das 4500er.
Meade 4500 - Kaufhausnewton
Das Teleskop wurde mit einer parallaktischen Montierung ausgestatttet. Diese entspricht in etwa der heute noch zu bekommenden Skywatcher EQ-1. Sie trägt meines Erachtens das Teleskop "gerade noch". Die Einstellung der Polhöhe ist mehr ein Geduldspiel, da die mit Schneckentrieb verbundene Stellschraube ein hohes Spiel aufweist. Da das Teleskop jedoch nur für visuellen Gebrauch konstruiert ist, spielt dies nur eine geringe Rolle. Die beiden verbauten Teilkreise haben ebenfalls ein Spiel. Dreht man an den beiden Wellen reagiert das Teleskop nicht unmittelbar.

Trockentest:

  • Nach Übernahme wurde die Spiegeljustierung geprüft. Das Teleskop scheint schon einige Zeit unbenutzt zu sein - hier muss ich mit dem Prüflaser ran und die beiden verbauten Spiegel zueinander justieren. Überraschenderweise verfügt das Teleskop über die heute üblichen Stellschrauben, sodaß nach 5 Minuten das System wieder justiert ist.
  • Das Sucherrohr hat 6-fache Vergrößerung und 30mm Öffnung (kurz 6x30). Es ist sehr fein justierbar (insgesamt 6 Schrauben stehen zur Verfügung). Leider sind die Linsen des Okulars sehr locker und scheppern hörbar. Qualitativ ist hier China-Plastik verbaut, weshalb ich es für den Test durch ein vorhandenes Celestron 6x30 ersetze.
  • Zur Aufstellung und Einrichtung des Teleskops im Freien reicht ein Kompass und ein Winkelmesser. Es reicht hier wirklich eine grobe Ausrichtung, da die verbauten Teilkreise auch nur grobe Einstellungen zulassen - einscheinern, etc. ist nicht notwendig. Zum schnellen Spechteln ideal.
Teilkreise auf der Montierung
  • Es ist bei mir schon geraume Zeit her, als ich noch ohne Computer nur mit den Teilkreisen arbeitete. Aber so, wie Radfahren und Schwimmen - das verlernt man eigentlich nicht. Bekannten Stern im Teleskop sichtbar machen. In der Sternenkarte seine R.A.-Koordinate ablesen und am Teilkreis einstellen. Hiermit ist das Teleskop am Himmel ausgerichtet und grob eingestellt. Danach die Koordinaten des Zielobjekts einstellen und das Objekt der Begierde beobachten. Bedingt durch die Erdrotation muss man mit der RA-Welle immer nachregeln. 

Erfahrungen am Gerät:

  • Die Montierung ist, wie befürchtet, für diese Rohr knapp unterdimensioniert und fühlt sich schwammig an. Das Spiel der Bedienungswellen für RA und DEC verstärkt den schwammigen Eindruck noch. 
  • Einen Stern ins Blickfeld des Teleskops zu bekommen war einfach - hierzu musste jedoch der Sucher noch justiert werden, was dank der 6 Schrauben sofort möglich war. Danach Stern "anfahren" und im Teleskop zentrieren. Das mitgelieferte Okular (Meade MA25) erfüllt zwar seinen Zwecke, ich verwende jedoch zwei meiner eigenen Okulare (Celestron Nagler 40mm und ein TS 12mm Super-Plössl). Der direkte Vergleich mit dem MA25 zeigt, dass die Verwendung besserer Okulare positive Auswirkungen hinsichtlich Abbildungsqualität zeigt.
Okular: Meade MA25
  •  Die Arbeit mit den Teilkreisen funktioniert wie erwartet. Ich habe für den Test den knapp im Süden stehenden Mars angefahren und danach die RA-Koordinate korrigiert. Danach die Koordinaten von M11 eingestellt - ein Blick durch das Okular und der Sternhaufen war im Blickfeld des 40mm-Okulars. Er wird durch das Teleskop aufgelöst und ist auch durch das 12mm schön anzusehen. Klarerweise ist die 4,5"-Öffnung gegenüber 8" des C8 bzw. unseres Foto-Newtons merkbar. Da fehlts halt an Öffnung. Die Helligkeit ist jedoch mit dem C8 vergleichbar (der Unterschied zwischen f/8 und f/10 visuell nicht zu unterscheiden).
Meade 4500 "in action"

Fazit:

Für den Anfänger ein Gerät, das bei entsprechender Einweisung sicher Spass machen kann. So, wie es jedoch verkauft wurde (bzw. mit ähnlichen Geräten immer noch wird), wird die Anfangseuphorie bald erloschen sein. In der Hand eines erfahreren Beobachters mit zusätzlichem Equipment aber durchaus ein Spaßgerät, das schnell aufgestellt ist und Deep-Sky erlaubt. Für mich ein "Back-to-the-roots"-Erlebnis, da ich zuletzt vor 10 Jahren mit Teilkreisen gearbeitet habe (unser C8 hatte früher eine motorisierte Gabelmontierung mit Teilkreisen).

Für die kleine Balkonsternwarte sind solche Geräte somit durchaus brauchbar. Wie würde ich ein solches Gerät einsetzen:
  • die Montierung sollte motorisiert sein um damit die Erdrotation auszugleichen. Hierzu sei bspw. auf die Skywatcher EQ-3 mit Nachführmotor verwiesen, die genügend Reserven hat, um ein Teleskop wie das Meade 4500 zu tragen. 
  • Statt eines Sucherfernrohrs würde ich einen Telrad einsetzen, um schnell Objekte zu finden.
  • Bei Neukauf eines solchen Teleskops auf jedenfall ein besseres Übersichtsokular dazu nehmen. 
PS: Von einem fotografischen Test wird jedoch aufgrund der vorliegenden Montierung abgesehen - eventuell werden wir zu einem späteren Zeitpunkt ein paar Mondaufnahmen machen.

Mittwoch, 28. September 2016

Lichtverschmutzung - des Balkonauten Fluch

Heute bin ich über eine interessante Seite gestolpert - http://www.lightpollutionmap.info/

Sofort habe ich mir meine bevorzugten Beobachtungsplätze angesehen - gewundert hat mich jedenfalls, wie sehr Ebreichsdorf "verschmutzt" ist, in der Umgebung jedoch doch auch brauchbare Plätze zu finden sind.

Östlich von unserer Nachbargemeinde "Unterwaltersdorf" gibt es einen geradezu für unsere Gegend idealen Bereich. Auch das Mitterfeld zwischen Mitterndorf und Schranawand scheint geeignet zu sein. Beides werde ich in nächster Zeit mal testen. Es muss ja nicht immer gleich die "Hohe Wand" sein. Apropos - auch diese habe ich mir angesehen:

Ok, die "Hohe Wand" (links im Bild) ist noch ein wenig dunkler. Für Aufnahmen in südliche, nördliche und westliche Richtung einfach top. Aber halt nicht so wirklich "um's Eck". Schauen wir mal nach Stainz bei Straden:

Nur Nuancen heller, als die "Hohe Wand". Und das mit voller Infrastruktur (Strom und jederzeit ein warmes Bett:-). Also passen hier die Bedingungen für eine zukünftige Privatsternwarte.

Zuletzt noch ein Blick auf den WAA-Hotspot "Sophienalpe" an:

Wirkt ähnlich hell, wie die Randgebiete von Ebreichsdorf, scheinen aber jedenfalls heller zu sein, als die Felder rings um Ebreichsdorf. Somit höchstens eine Reise zu WAA-Veranstaltungen wert, aber sicher nicht, um mal schnell zu spechteln.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf eine App zur Bestimmung der Lichtverschmutzung hinweisen:
Dark Sky Meter kostet für IOS 99cent - für Android ist die App leider noch nicht verfügbar. Es verhilft zu einem quantifizierbaren Vergleich der Himmelshelligkeit (Nacht).

Achja, und für die Elektroniker sei auf das Projekt mySQM verwiesen. Demnächst auch als Eigenbauvariante hier im Einsatz.












Freitag, 2. September 2016

Neumondnacht auf der Balkonsternwarte

Die Nacht vom 31.8. auf den 1.9.2016 wurde für einen ausgiebigen Test der astrofotografischen Möglichkeiten eines Neumondhimmels im Stadt/Ortsgebiet genutzt. Also raus auf den Balkon, Teleskop (mein bald 40-jähriges C8) aufbauen und grob einnorden. Noch in der Dämmerung mit Arcturus und Antares die Ausrichtung des Teleskops eingerichtet und dann loslegen.

Erstmals hing der Computer direkt an der Montierung des Teleskops. Hierzu habe ich ein kleines elektronisches Gerät basteln lassen, dass ich in dieser Nacht gleich mittesten werde. Dank an dieser Stelle an Tobi, der mir das Gerätchen gebaut hat.

1. Objekt der Begierde - wie schon öfters in den vergangenen Wochen der offene Sternhaufen M11.

Gesamtbelichtungszeit: 11 Minuten bei ISO1600

  
2.  Motiviert durch M11 wollte ich mal sehen, ob in Horizontnä
he und vor allem in Richtung Ortszentrum (viel Licht) ein planetarischer Nebel aufgenommen werden kann. Freisichtig ist in diese Richtung nichts - da geht alles im Licht unter. Das Ergebnis hat mich dann doch überrascht: M17 Omeganebel - Gesamtbelichtungszeit: 8 Minuten bei ISO1600.

Durch das Licht des Ortszentrums ist kaum mehr Kontrast möglich.

3. Eine Einzelaufnahme des Ringnebels M57. Hoch am Himmel in westlicher Richtung. Belichtung 60s bei ISO1600. Auch hier war ich erstaunt, dass der überhaupt sichtbar ist. "Dank" der Lichtglocke leider auch sehr kontrastarm.


 4. Eine weitere Einzelaufnahmen - M92 im Herkules. Ein Kugelsternhaufen - immerhin 6.44mag und damit auch unter besten Bedingungen nicht frei sichtbar.

Weitere Aufnahmen des Abends:
Albireo (Doppelstern im Schwan - siehe unten)
M13 (Kugelsternhaufen im Herkules)

Fazit:
Der Stadthimmel erlaubt auch Depp Sky, wenn man in Kauf nimmt, dass Kontrast verloren geht. Die direkte Steuerung der Montierung mit dem Computer funktioniert erstklassig und erlaubt auch die kabellose Bedienung der Montierung, was speziell die Arbeit am Okular erleichtert. Das C8 ist visuell "ein Hammer", fotografisch werde ich jedoch mal den Newton unter ähnlichen Bedingungen testen. Er ist halt für den Balkon schon sehr groß und unhandlich.

Albireo - unscharf - zu beachten ist die blaue Färbung des Begleitsterns
Albireo - Doppelsternsystem

Freitag, 26. August 2016

Vorbereitung zum Ausseneinsatz

Auch Balkonauten sind von Zeit zu Zeit auf Ausseneinsatz. Mit ca. 60kg Gepäck wird das Auto beladen und dann gehts ab in dunklere Gefilde.


Kleine Ursache / große Wirkung ...

Saturn mit Firecapture und einer ASI-ZWO-120-MC aufzunehmen, sollte für einen Balkonauten kein Problem darstellen. So baut man sein Equipment am Balkon auf, wartet auf die ersten Sterne zum Alignment der Montierung, um kurz darauf eine ausgerichtete/initialisierte Montierung zur Verfügung zu haben.

Arcturus anfahren, fokusieren mit Maske, frohen Mutes Saturn anfahren und Firecapture starten. Was soll das? Saturn wird zunehmend heller, das Rauschen im Bild steigt. Ok, an den Einstellungen habe ich nicht wissentlich etwas geändert - also Reboot des Rechners. Danach das Prozedere wiederholen, und - wieder nichts. Saturn bringt den Chip in Sättigung.

Somit wirds wohl heute nichts mehr, zumal das Zeitfenster für Saturn gerade mal eine halbe Stunde auf meinem Balkon bedeutet. Die Fehlersuche wird auf den nächsten Tag verschoben.

Zum Trost eine kurze Aufnahme von M11 - kein Stacking, einfach nur mal 30 Sekunden die Canon am C8 montiert laufen lassen.

Das kann sicher noch besser werden - werde ihn mit dem Newton demnächst mal mit Guider, etc. aufnehmen.

Achja, und den Fehler habe ich auch bereits gefunden. AutoExp in Firecapture unbedingt wegklicken. Keine Ahnung, wann sich der Fehler eingeschlichen hat...