Samstag, 11. Juli 2020

12" Hofheim unter steirischem Himmel

Eigentlich wollte ich den geliehenen Epsilon 160 vom Brentenriegel astrofotgrafisch testen bzw. nutzen - leider war das Teleskop aufgrund einer zu großen Basisplatte am Takahashi nicht auf die EQ6 zu montieren. Somit wurde es ein visueller Abend - und der Hofheim hat seine Stärken voll ausspielen können.

Ich beginne mit dem Kugelsternhaufen M4 im Sco. Welch Anblick mit 100x Vergrößerung - auf der Sophienalpe war er durch die Lichtverschmutzung über Wien nur ein schwächliches Fleckchen. Hier hebt er sich deutlich vom Himmelshintergrund ab. Ein toller Einstieg für diese Astronacht.

Ich schwenke nach Westen, um mir Jupiter anzusehen. Dieser zeigt heute seine Galileischen Monde alle auf einer Seite.

Jupiter mit aufgefädelten Monden
Da Saturn nur wenige Grad östlich von Jupiter steht, nehme ich diesen als nächstes Objekt ins Visier. Die Cassiniteilung ist bei 100x Vergrößerung deutlich erkennbar. Die 12" sind hier gewiss nicht von Nachteil.

Da ich als nächstes Galaxien probieren möchte - schwenke ich zum Großen Wagen, um den Leuchtpunktsucher genau zu justieren. Ich wähle den Doppelstern Mizar bzw. Alcor und justiere nun den Leuchtpunkt. Ich bin auf die Abbildung der Galaxien gespannt.

Ausgehend von Alkaid finde ich den Weg zu M51 und NGC5195. Deutlich sind zwei Kerne und ein Halo um M51 erkennbar. Ich bin beeindruckt. 
Auszug aus dem Beobachtungsbuch
Weiter gehts mit M109. Dieser ist knapp links von Phecda zu finden und erscheint sofort im Okular. Ein sehr schwaches Objekt mit 10.6mag - eher indirekt als direkt zu sehen. 
Auszug aus dem Beobachtungsbuch
Ich bin nun auf M101 gespannt und finde den Weg von Mizar zu dieser Galaxie. Sie ist im Vergleich zu M109 direkt zu sehen. Auch in ihrer visuell wahrgenommenen Größe eine großer Unterschied zum vorigen Objekt. Bei indirekter Sicht hab ich den Eindruck Spiralarme zu sehen (Vergrößerung ca. 50x).
Auszug aus dem Beobachtungsbuch
 Ich bewege den Dobson ein wenig nach rechts (Azimuth) und höher auf ca. 70°. Die Spindelgalaxie M102 ist bei 50x Vergrößerng deutlich als elliptische Galaxie, begrenzt durch zwei Vordergrundsterne, erkennbar.

Auszug aus dem Beobachtungsbuch
Ich stelle das Teleskop mittig zwischen Dubhe und Merak und bewege es ca. 12° nach rechts. Die Bodegalaxien M81 und M82 sind deutlich im Okular sichtbar. M81 mit Kern und Halo. M82 als längliches Objekt.

Ich beende die Beobachtung der Galaxien und gehe zu Sadr im Schwan. Rechts unterhalb ist der offene Sternhaufen M29, den ich als nächstes anfahre und sofort finde.

Auszug aus dem Beobachtungsbuch
Als nächstes fahre ich M52 ausgehend von Caph in der Kassiopeia an. Mit IC4665 suche ich einen weiteren Offenen Sternhaufen, der rasch ausgehend von Cebalrai im Schlangenträger aufgefunden wird.
Habe ich den Abend mit einem Kugelsternhaufen begonnen, möchte ich diesen noch mit ein paar dieser Objekte abschließen. 

Cebalrai dient mir erneut als Ausgangspunkt und ich bewege das Teleskop zu dem Kugelsternhaufen M14. Am Weg dorthin sehe ich den Doppelstern 61 Oph im Okular - ein Objekt, das ich nicht auf der Liste hatte.

Ich sehe, dass die Bewölkung nun leider zunimmt - das Sternbild Pfeil ist nur schwach erkennbar, trotzdem nehme ich M71 ins Visier. Er steht visuell "hinter" der Sommermilchstraße - ist aber deutlich erkennbar.

Die Durchsicht wird nun gegen 1:00 nachts immer schlechter - ich beschließe den Beobachtungsabend mit M15 den ich ausgehend von Enif im Pegasus anfahre. 

Nicht unerwähnt sollen folgende Versuche der visuellen Beobachtung bleiben:
  • M40: konnte ich nicht eindeutig klassifizieren
  • NGC7000 und NGC6960 konnte ich auch mit angeschraubten OIII-Filter nicht erkennen
  • M27: muss ich bei besserer Durchsicht nochmal probieren
Der 12" Hofheim-Reiesdobson hat nun auch sein First-light in der Steiermark mit Bravour bestanden. Ich bin hochzufrieden und freue mich schon jetzt auf den nächsten Einsatz. Schade nur, dass ich nicht nebenbei die geliehene Astrofotomaschine laufen lassen konnte. Das hätte diesen Beobachtungsabend noch das Sahnehäubchen aufgesetzt.

Mittwoch, 1. Juli 2020

NGC6992 im Schmalband

Es ist der 30.7.2020 und der Mond steht dominant am Himmel. Trotzdem wollen wir uns zu einem Beobachtungsabend am Brentenriegel treffen, um einerseits die von meinem Kollegen selbst instand gesetzte Celestron AVX zu testen und andrerseits den Takahashi erneut auf ein Objekt zu richten. Diesmal solls der östliche Cirrusnebel (NGC6992 East Veil) sein, den ich in den Schmalbändern H-alpha und O-III ablichten möchte. Nebenbei wollen wir wieder einige Objekte im 12" Hofheim Reisedobson ansehen - in der aktuellen Mondphase können wir jedoch nur die helleren Objekte ansehen.
Der heute gut besuchte Vorplatz der Sternwarte

Das 60cm-Teleskop am Brentenriegel:
nur mehr wenige Wochen bis zum First light


Visuelle Beobachtungen mit dem 12"-Hofheim

Beginnen wir mit der Zusammenfassung der visuellen Beobachtungen.

Mond

Der Mond zeigt den goldenen Henkel. Zehn Tage nach Neumond ist diese Formation in den Tiefebenen des Sinus Iridum am Juragebirge dessen Gipfel durch die Sonne angestrahlt werden für ca. 7 Stunden zu sehen. Heute geht sich das wiedermal perfekt aus. Wir kehren an diesem Abend immer wieder zum Mond zurück - die vielen Details seiner Oberfläche füllen ganze Bücher.

Jupiter

Weiter gehts mit Jupiter, dessen Wolkenbänder durch Einsatz eines speziellen Filters am Okular noch kontrastreicher im 12-Zöller zu sehen sind. Den für heute angekündigten Durchgang des GRF beobachten wir allerdings nicht. Schön sind die vier Galileischen Monde zu beobachten. Die beobachtete Reihenfolge: Kallisto - Io - Jupiter - Europa - Ganimed.

Saturn

Dieser zeigt Oberflächenbänder und die Ringteilung. Der Planet wirft einen kleinen Schatten auf die Ringe. Es sind mehrere, nicht näher klassifizierte Monde, zu sehen. Wir zählen mindestens 5 dieser Monde.

Doppelsternhaufen h+chi

NGC869 und NGC884 sind schön im Field of View des 31mm Hyperion Okulars zu sehen. h+chi zählen zu meinen Lieblingsobjekten, die ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit visuell beobachte. Im 12-Zöller ein wahrer Genuss, aber auch mit dem Lacerta 8x56-Feldstecher mehr als einen Blick wert.

Double-Double Eps Lyr

Das Double-Double-System Eps Lyr ist mit 8mm Hyperion-Zoom Okular eindeutig getrennt. 

M31/M110

Der Andromedanebel (M31) und seine Begleitgalaxie (M110) sind ebenfalls Ziel unserer visuellen Reise. M32 haben wir allerdings heute nicht gesehen. Zur Beobachtung von Galaxien stört der Mond zu sehr.

Mars

Den Abschluss macht Mars. Dieser steht zum Beobachtungszeitpunkt noch zu tief und zeigt keine Oberflächendetails. Er wird unser Beobachtungsobjekt im September/Oktober, wenn er seine Oppositionsschleife zieht.

Schmalbandaufnahme des Supernovaüberrests NGC6992

Ich baue wieder den Takahashi Epsilon 160 auf meiner Celestron AVX auf und schließe meine gekühlte Astrokamera ZWO-ASI 1600 MM pro an. Die Fokussierung nehme ich wie üblich an einem hellen Stern (Arkturus) durch Spikematching vor, bei der ich die Spikes in Überdeckung bringe (siehe auch meinen Artikel Balkontest eines Takahashi Epsilon 160).

Takahashi Epsilon 160

Das Objekt steht für Aufnahmen aktuell sehr günstig und hoch am Himmel. Einzig einen Meridiandurchgang um ca. 1:15 muss ich berücksichtigen. Ich mache ein paar Testaufnahmen und wähle für H-alpha 480s und für O-III 600s Einzelbelichtungen. Ich möchte so viele Aufnahmen wie möglich in dieser Nacht machen. Lt. APT endet die Deep-Sky-Belichtungsnacht gegen 3:00. Gut, dass wir nebenbei am Dobson und mit dem Feldstecher uns die Zeit vertreiben können.

Nach und nach verabschieden sich die anwesenden Kollegen - ich baue den Dobson ab und gegen 1:00 (kurz vor dem Meridiandurchgang meines Aufnahmeobjekts) verabschiedet sich auch Marcus mit seinem Sohn. Ich bin alleine am Berg - eine tolle Stimmung macht sich breit und ich beobachte den Monduntergang. Schlagartig wird der Himmel dunkler und es zeigt sich die Sommermilchstraße, die ich mit dem Lacerta 8x56 in den nächsten zwei Stunden immer wieder abfahre. Ich bin begeistert - freue mich schon jetzt auf die nächsten Neumondnächte, auf die ich aber noch gute zwei Wochen warten muss.

der Preview in APT sieht schon sehr vielversprechend aus

Um drei Uhr (und nach einem nur teilweise geglückten automatisierten Meridianflip) beende ich meine Astronacht und fange mit dem Abbau der übrigen Gerätschaften an. Es dauert doch etwa eine Stunde, bis alles verstaut ist und ich mache mich um 4:00 Uhr auf den halbstündigen Heimweg. Ich bin zufrieden mit dieser Nacht - hab wieder viele neue Erfahrungen gemacht und konnte einige der Anwesenden von den Vorzügen eines Dobsons überzeugen bzw. ihnen einige Objekte näher bringen. Die Ausarbeitung meiner Aufnahmen muss noch einige Stunden warten.

Das Ergebnis

Ich schlafe nur wenige Stunden - zu neugierig bin ich, was die Ausarbeitung des Objekts mit PixInsight zeigen wird. Und so sitze ich bereits um 10:00 vor meinem Laptop und arbeite die Bilder aus. Ich lasse das Ergebnis hier für sich sprechen - werde sicher noch weitere Bearbeitungs- und vielleicht auch noch 
Belichtungszeit in dieses Objekt investieren. 


NGC6992 Cirrus Nebula (East Veil)


Epilog

Bevor ichs vergessen - die Montierung von Marcus und seinem Sohn Paul arbeitet nun auch. Das Guiding funktioniert in beiden Achsen und ich freue mich auf seine zukünftigen Astrobilder. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es bald einen weiteren Dobson in meinem Umfeld geben wird. ;)

Sonntag, 28. Juni 2020

First light für 12" Reise Dobson (Hofheim)

Es war 2015, als ich in Namibia erstmals einen 12" Reisedobson der Fa. Hofheim bestaunen durfte. Faszinierend fand ich die Portabilität dieses Gerätes, findet er doch in zwei Koffern Platz. Der Astrokollege erlaubte mir auch den einen oder anderen Blick auf diverse Perlen des Südsternhimmels. Von da an war der Wunsch in mir geboren, irgendwann mal einen 12-Zöller von Hofheim meinen Teleskopen hinzuzufügen.

Die Daten des Teleskops:

  • Gesamtgewicht 12kg
  • 30cm Spiegel
  • f5 und damit 1500mm Brennweite
First contact - Hakos/Namibia im August 2015




Letzte Woche, am 26.6.2020, war es nun soweit und ich konnte den im 3. Quartal 2019 bei Hofheim georderten 12"-Dobson übernehmen. Die Lieferung aus Deutschland dauerte eine knappe Woche.

12 kg für 12 Zoll - endlich wurde er geliefert
Maximale Mobilität eines 12"-Dobsons - zwei Handgepäck-taugliche Koffer




Schnell die mitgelieferte Beschreibung lesen und im Wohnzimmer den ersten Testaufbau gemacht. Das Gerät ist durchdacht und mit viel Liebe zum Detail konstruiert - der Aufbau gestaltet sich sehr übersichtlich.

Teilebox mit Spiderring, Basisdreieck,
Höhenrädern und Stabilisierungsstreben



Ich teste auch, wie sich der Dobson in Horizontnähe verhält und bin überrascht, dass er in jeder Lage auch mit großen 2" Okularen die Lage hält. Auch ein Okularwechsel bringt ihn nicht aus dem Gleichgewicht. Das ist sehr vielversprechend.

Blick auf den Spiegel




Auch der Abbau gestaltet sich, die vorgeschriebene Reihenfolge einhaltend, als unkompliziert und der Dobson ist nach ca. 30 Minuten wieder in den beiden Koffern verstaut. Jetzt heisst es warten auf das "First light" - ich befürchte das schlimmste, lautet doch die Faustregel, dass pro Zoll Öffnung man mit ca. 1 Woche Schlechtwetter rechnen muss. Drei Monate möchte ich auf keinen Fall warten müssen. ;)

Die Befürchtungen waren völlig unbegründet - ich entschließe mich bereits einen Tag später zu einem First light. Die Wetterprognosen schauen recht brauchbar aus - im Wechselgebiet sind sich die Prognosen nicht ganz einig, was auf unbeständiges Wetter hindeutet. Etwas nördlicher sieht die Sache schon besser aus. Zum selben Zeitpunkt lese ich ein Posting der Wr. Amateur Astronomen, dass sie  zu einem kleinen Teleskoptreffen auf der Sophienalpe aufrufen. Ich entschließe mich zu der einstündigen Anfahrt von Ebreichsdorf auf die Sophienalpe.

Dort angekommen bauen wir den 12-Zöller nun erstmals unter freiem Himmel auf. Einziges Problem dort, wir kämpfen mit 40cm hohem Gras und lästigen Mücken. Aber davon lassen wir uns nicht abschrecken. Es beginnt zu dämmern und wir beginnen mit dem praktischen Teil dieses First lights.

Aufbau im 40cm hohen Gras - die Mücken sind fürs Foto zu klein

Aufbau geschafft - Gras platt...

Ich bewege den Dobson Richtung Halbmond und stelle schnell fest, dass mein Leuchtpunktsucher noch justiert werden muss und auch der Fokuspunkt des Überblickokulars will gefunden werden. Nach weiteren 5 Minuten sehe ich den Mond im Okular und bin völlig hin und weg. Die Detailtiefe ist überwältigend. Der Gebirgszug des Appenin ist fast plastisch - ich sehe Rillen und Minikrater, in einer Tiefe, die ich so erst selten gesehen hab. Die mitreisende Balkonautin ist ebenfalls von dem Angblick begeistert.

First light am Mond
12" Hofheim auf der Sophienalpe

Wir nehmen folgende weitere Objekte an diesem Beobachtungsabend ins Visier:

- Doppelstern Albireo
- Ringnebel M57 (mit OIII-Filter ein Genuss)
- Kugelsternhaufen M4, M13 (wunderschön aufgelöst)
- Offener Sternhaufen IC4665
- Jupiter, Saturn (beide spektakulär wie immer)
- immer wieder den Mond um den Terminator wandern zu sehen
- Mizar/Alcor
- einige weitere Doppelsternsysteme, die ich leider nicht protokolliert habe

Die kurzen Nächte rund um die Sonnwende sind leider "wirklich" kurz - es beginnt bereits zu dämmern, als wir den Abbau in Angriff nehmen. Nur im Rotlicht der Stirnlampe doch nicht so einfach - wir schaffen es, den Dobson ordnungsgemäß (bis auf eine Fixierschraube, die sich standhaft weigert eingeschraubt zu werden) zu verstauen und treten gegen 2:00 die Heimreise an. Wir sind hoch zufrieden mit dem Firstlight und schon voll Vorfreude auf die vielen Beobachtungsnächte, die noch kommen werden.

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Keine Beobachungsnacht, ohne Protokollierung der Erkenntnisse:

- 40mm Plössl war nur mit Verlängerungshülse in den Fokus zu bringen
- 40mm 2" Erfle war aufgrund einer fehlenden Hülse für 2" nicht verwendbar
- Teilkreissucher wäre eine sinnvolle Ergänzung
- eine Holzplatte für den Boden, damit die Basis des Dobsons eben aufgestellt werden kann
- die Red-Dot-Justage war ein Geduldspiel
- Springload-Halterung für Red-Dot-Finder wäre eine sinnvolle Ergänzung
- der Beobachtungstisch muss anders organisiert werden, als für Astrofotografie
- ein eigener Zubehörkoffer wäre eine sinnvolle Ergänzung

Links:
Fa. Hofheim / 12" Reise-Dobson
Wr. Amateur Astronomen
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